EMS - Fit durch elektrische Muskelstimulation

Es klingt vielleicht absurd, aber: Trainieren, ohne zu trainieren, ist möglich. Denn die Muskulatur kann auch von außen aktiviert werden, ohne dass man sich dabei viel bewegt – und zwar durch elektrische Impulse. Bei der elektrischen Muskelstimulation, kurz EMS, überlässt man das Training weitgehend dem Strom. Das Studio Bodystreet in Saarbrücken bietet die 20-minütigen EMS-Trainingseinheiten an. Der Sportler wird verkabelt, die elektrischen Impulse werden über ein Gerät gesteuert und regelmäßig abgegeben, während der Sportler einfache Übungen macht. „Das Nervensystem stimuliert die Muskeln täglich durch eigene bioelektrische Reize. Wir nutzen diesen Effekt und verstärken diesen mit einem Impuls von außen“, erklärt Markus Kilb, Inhaber des Saarbrücker Fitnessstudios: „Die Reizstrom-Therapie wird schon viele Jahrzehnte in der Physiotherapie zum Erhalt und Aufbau der Muskulatur angewandt, nach zum Beispiel größeren Operationen. Auch in der Raumfahrt kommt die EMS zum Erhalt der Muskulatur zum Einsatz.“ Die Vorteile dieser Trainingsmethode sind vielseitig. Während beim herkömmlichen Training nur vereinzelte Muskeln beansprucht werden, erreicht die EMS auch die Zonen, die sonst wenig trainiert werden. Der Bewegungsapparat wird geschont, die elektrischen Impulse erreichen auch die Tiefenmuskulatur, gleichen muskuläre Dysbalancen aus und können Verspannungen lösen. „Es wird ebenfalls der Trainingsreiz gesetzt wie beim herkömmlichen Krafttraining“, sagt Kilb: „Mit EMS kann eine stärkere Kontraktion des Muskels erzeugt werden als bei willkürlicher Kraftentfaltung. Auch die schnell zuckenden Muskelfasern und die Rumpfmuskulatur werden erwiesenermaßen gefördert. Untrainierte können von ihrem Kraftpotenzial nur circa 40 bis 70 Prozent willkürlich ansteuern. EMS reduziert dieses Kraftdefizit zwischen Maximal- und Absolutkraft, weil durch EMS die motorischen Einheiten besser synchronisiert und aktiviert werden. Auch die Kraftausdauer nimmt durch EMS nachweislich zu.“ Dass diese Trainingsmethode wirkungsvoll ist, haben bereits mehrere Studien, unter anderem der Sporthochschule Köln, bestätigt. Die elektrischen Impulse sind durchaus spürbar, lassen sich allerdings regulieren. Einschränkungen gibt es aber, wie Kilb erzählt: „Schwangeren und Menschen mit Herzschrittmacher ist das Training bei Bodystreet leider nicht möglich. Sicher gibt es relative Kontraindikationen, beispielsweise Diabetes, MS oder Tumorerkrankungen. Hier kann ein Training sogar nützlich sein, die Empfehlung beziehungsweise Entscheidung zum EMS-Training muss hier immer der behandelnde Arzt treffen.“ Bodystreet bietet das EMS-Training für 19,90 Euro pro Einheit an und empfiehlt das Training einmal in der Woche. Bereits nach wenigen Einheiten ist ein Effekt zu erkennen. Zusatztraining ist erlaubt. „Ausdauersport ist auf jeden Fall empfehlenswert, wie Laufen, Radfahren, Schwimmen“, sagt Kilb: „Bei zusätzlichem Krafttraining muss unbedingt die Regenerationszeit beachtet werden.“ Denn: Die Einheiten sind anstrengend, auch wenn der Strom das Training übernimmt. Kilb: „Schwitzen muss man doch noch selbst.“ Und das tut man garantiert – auch beim Training, bei dem man nicht wirklich viel selbst trainiert.


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